Auf dem 104. Katholikentag vom 13. Bis 17. Mai 2026 war auch die Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände AGV gemeinsam mit den Verbänden CV, KV und UV sichtbar vertreten.

Mit einem zentral gelegenen Stand konnte die AGV an den Tagen des Katholikentages viele Besucherinnen und Besucher erreichen. Dabei zeigte sich schnell: Das Interesse an katholischen Studentenverbänden ist vorhanden. Zahlreiche Menschen kamen mit neugierigen Fragen auf uns zu, erkundigten sich nach unserer Arbeit, nach den Verbänden und nach dem katholischen Studentenleben. So wurde der Stand nicht nur zu einem Ort der Sichtbarkeit, sondern auch zu einem Ort des Gesprächs über Glauben, Gemeinschaft, Engagement und Verantwortung.

 

Besonders gut angenommen wurde unsere Postkarten-Couleur-Aktion. Viele Couleurkarten wurden geschrieben, verschickt und so in die Welt gesandt. Damit konnte die AGV auf einfache, aber wirkungsvolle Weise sichtbar machen, wofür katholische Studentenverbände stehen: für Gemeinschaft, Verbundenheit und ein lebendiges katholisches Netzwerk über die eigenen Hochschulorte hinaus.

 

Ein besonderer Höhepunkt war der Empfang auf dem Haus der KDStV Markomannia zu Würzburg im CV am Rande des Katholikentages. Als Festredner sprach Joachim Herrmann (CV) und legte dabei auch ein persönliches Glaubenszeugnis ab. Zahlreiche Bundesbrüder, Bundesschwestern und Farbenbrüder folgten der Einladung und machten den Abend zu einer gelungenen Gelegenheit für Begegnung, Austausch und gemeinsames Feiern.

Diese Begegnungen haben noch einmal deutlich gemacht, wie präsent und anschlussfähig die katholischen Studentenverbände auf dem Katholikentag waren. Die AGV konnte zeigen, dass ihre Verbände nicht nur traditionsreiche Gemeinschaften sind, sondern auch heute Orte gelebten Glaubens, persönlicher Freundschaft und gesellschaftlicher Verantwortung.

Aus Sicht der AGV war der Katholikentag in Würzburg ein voller Erfolg. Wir konnten sichtbar sein, Interesse wecken, neue Kontakte knüpfen und deutlich machen, welchen Beitrag katholische Studentenverbände innerhalb von Kirche und Gesellschaft leisten können.

Der Blick richtet sich nun auf die kommenden Veranstaltungen. Ende August findet in Königswinter das nächste Grundlagenseminar statt, diesmal zum Thema „Staat und Kirche“. Dabei soll das Verhältnis von Staat, Kirche und Gesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden. Als Gäste werden unter anderem Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei, Dr. Beate Gilles, Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, sowie Prof. Dr. Ansgar Hense, Direktor des Instituts für Staatskirchenrecht der Diözesen Deutschlands und außerplanmäßiger Professor an der Universität Bonn, erwartet.

Im Oktober folgt das nächste Dialogseminar in Berlin, das im zweijährigen Rhythmus stattfindet. Den Jahresabschluss bildet schließlich die Klausurtagung am zweiten Advent im Kloster Weltenburg.
                                                                                                                  Text und Fotos. Heinrich Schneider

Freitag, der 15. Mai, war ein langer Tag für die Würzburger katholischen Korporationen und für alle Besucher des Katholikentags, die mit Band und Mütze unterwegs waren. Das ZdK hatte den Verbindungen für ihren Gottesdienst eine nicht gerade studentenfreundliche und auch nicht besonders christliche Uhrzeit zugewiesen. Dennoch ließen es sich die Cartell- und Farbenbrüder nicht nehmen, mit Bischof Dr. Franz Jung (CV) einen stimmungsvollen Gottesdienst im Neumünster zu Würzburg zu feiern. So war die Kirche gut gefüllt, und der eindrucksvolle Gesang machte deutlich: Hier will man auch ein Zeichen setzen, um dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken zu zeigen: Wir sind da, wir bringen uns ein, wir tragen Verantwortung.

Der Katholikentag lebt von Begegnung, Debatte und gelebter Vielfalt des katholischen Lebens. Wer durch die Veranstaltungsorte geht, erlebt Kirche nicht als monolithischen Block, sondern als lebendige Gemeinschaft mit unterschiedlichen Prägungen, Positionen und Ausdrucksformen. Gerade darin liegt seine besondere Stärke. Und genau deshalb ist es wichtig, dass auch katholische Studentenverbindungen dort sichtbar Präsenz zeigen.

Wie aktuell diese Rolle ist, wurde beim Gottesdienst der katholischen Studentenverbindungen im Würzburger Neumünster eindrucksvoll deutlich. Bischof Dr. Franz Jung (CV) fand Worte, die weit über den liturgischen Rahmen hinausreichen. Leid, Krisen und gesellschaftliche Umbrüche seien nicht das Ende, sondern mitunter die „Geburtsschmerzen“ eines neuen Lebens. Angesichts von Vertrauensverlust, Glaubenszweifeln und einer Welt, in der religiöse Hoffnung vielfach auf Skepsis trifft, sei Rückzug keine Antwort. Stattdessen rief der Bischof die Mitglieder der Verbindungen dazu auf, aus dem Glauben heraus Verantwortung zu übernehmen: in tragender Freundschaft, im Einsatz für eine christliche Lebensführung, in der Verteidigung der Würde des Lebens, im politischen Engagement und mit dem Mut, in aktuellen Debatten für Gott und die Kirche die Stimme zu erheben.

Damit beschrieb der Bischof im Kern genau das, was katholische Korporationen auszeichnet und was ihre Bedeutung auch heute ausmacht. Sie sind Teil einer lebendigen katholischen Zivilgesellschaft. Sie stehen für weit mehr als Tradition und studentisches Brauchtum. Sie sind Orte lebenslanger Gemeinschaft, geistiger Auseinandersetzung und persönlicher Prägung. Hier entstehen Netzwerke, aber vor allem wachsen Freundschaften, Haltungen und Verantwortungsbewusstsein. In einer Zeit, in der Bindungen brüchiger werden und gesellschaftliche Debatten häufig in schnellen Empörungszyklen verharren, sind solche Räume wichtiger denn je.

Katholische Korporationen bringen in diesen Diskurs eine eigene, wertvolle Perspektive ein. Sie verbinden Glauben mit intellektueller Reflexion, persönliche Bindung mit gesellschaftlicher Verantwortung und Traditionsbewusstsein mit dem Auftrag, Gegenwart und Zukunft aktiv mitzugestalten. Wer den öffentlichen Diskurs über Kirche anderen überlässt, darf sich nicht wundern, wenn bestimmte Stimmen verstummen. Sichtbarkeit ist deshalb kein Selbstzweck, sondern Ausdruck legitimer Teilhabe und Verantwortung.

Die Worte des Würzburger Bischofs ließen sich beinahe als Auslegung der vier Prinzipien des Cartellverbandes lesen. Religio heißt, Krisen im Licht des Glaubens nicht als Sackgasse zu verstehen. Amicitia wird zur tragenden Gemeinschaft in einer Zeit gesellschaftlicher Vereinzelung. Scientia erinnert daran, dass Kirche und Gesellschaft die besten Köpfe, wissenschaftliche Exzellenz und den Mut zu neuen Antworten brauchen. Und Patria macht deutlich, dass Demokratie vom Einsatz verantwortungsbewusster Bürger lebt – gerade auch von Christen, die ihre Überzeugungen konstruktiv einbringen.

Dass neun Verbindungen mit ihren Fahnen im Gottesdienst vertreten waren und mit Bayerns Innenminister  Joachim Herrmann (CV) auch ein prominenter Cartellbruder teilnahm, war deshalb mehr als ein symbolischer Moment. Es war ein sichtbares Zeichen dafür, dass katholische Korporationen ihren Platz inKirche und Gesellschaft selbstbewusst einnehmen.

Den Tag beschloss der abendliche Festkommers im Würzburger Studentenhaus. Staatsminister Joachim Herrmann ließ es sich auch nicht nehmen, den abendlichen Kommers im Würzburger Studentenhaus zu besuchen. Weihbischof und Farbenbruder Paul Reder (UV) hielt eine theologisch anspruchsvolle Festrede, bei dem von Johannes Brunnenberg (CV) souverän geschlagenen Kommers. In ihren Grußworten nutzten Herrmann und Vorortspräsident David Piepenberg (CV) noch einmal die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass katholische Korporationen als Gemeinschaften in der Kirche auch Würdigung durch das ZdK erfahren sollten. Der Besuch beim Gottesdienst und beim Kommers machte deutlich, wie viele Menschen hinter dem Anliegen der Verbindungen stehen.

Katholikentage sind Orte der Begegnung, aber auch Schaufenster katholischer Zivilgesellschaft. Wer Kirche als vielfältig, dialogfähig und gesellschaftlich relevant versteht, sollte die Präsenz katholischer Korporationen dort nicht nur akzeptieren, sondern ausdrücklich begrüßen. Denn eine Kirche, die in die Gesellschaft hineinwirken will, braucht Menschen, die bereit sind, Haltung zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Stimme zu erheben. Insofern war es erfreulich, dass die Würzburger katholischen Korporationen auch beim Abschlussgottesdienst chargieren durften.

Texte: H. Wullhorst, Kommers ; M. Hauck, Gottesdienst ; Fotos: M. Speck