Traditionsgemäß am ersten Abend der Salzburger Hochschulwoche treffen sich die Vertreter der korporationsstudentischen Verbände CV, KV, UV und ÖCV zu einem Vortragsabend mit anschließender Diskussion. In diesem Jahr hatte der ÖCV Bernt Eidsvig, Bischof emeritus von Oslo, als Referenten eingeladen.

Im sehr gut gefüllte Hörsaal 101 informierte Bischof em. Eidsvig in einem spannenden und authentischen Vortrag über die Geschichte und aktuelle Situation der katholischen Kirche in Norwegen. Über viele Jahrhunderte war Norwegen stark von Dänemark und der dortigen evangelischen Kirche geprägt. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kehrte der katholische Glaube über Einwanderer und Ausländer nach Norwegen zurück. Im Rahmen einer begrenzten Religionsfreiheit gelang ein Wiederaufbau von Grund auf. Es waren vor allem Einwanderer, Händler, Diplomaten sowie Orden, die der Kirche ein norwegisches Gesicht gaben. Katholische Schulen wurden gegründet. Das zweite Vatikanische Konzil eröffnete eine neue Ökumene, die von vormals Distanz und Misstrauen zu einem nachbarschaftlichen Miteinander geführt hat, das sich in gemeinsamer Arbeit für Gemeinden und Familien konkretisiert. Es geht um die Schaffung einer positiven Kultur als Minderheit. Die Kirche muss zeigen, was sie ist und leistet, Unterschiede müssen nicht verschwinden.

Bekannten sich im Jahr 2005 lediglich 42.000 Menschen zum katholischen Glauben, so zählt heute die katholische Kirche Norwegens rund 170.000 Gläubige; sie ist damit die größte katholische Kirche in Skandinavien. Das Wachstum beruht zu großen Teilen auf Migration, nicht auf einer katholischen Tradition. Sie ist, so Bischof em. Eidsvig, gleichsam „ein Laboratorium der Weltkirche“ und vielfach eine von Laien getragene Kirche, klerikale Autorität bedeutet Dienen! Es gilt jetzt für die Kirche, den Platz in der norwegischen Gesellschaft aktiv zu gestalten und die unterschiedlichen Erfahrungen für die Zukunft zusammenzuführen.

Begleitet wurde Bischof Eidsvig von Oystein Lund, seit kurzem Rektor der katholischen St. Mary´s University, Konvertit wie der Bischof selbst und einer der sieben norwegischen Priester, die als verheiratete Pastoren katholisch geweiht wurden.

In der Diskussion, moderiert von Manfred Speck, erfuhren die Zuhörer nicht nur weitere Details über die katholische Kirche in Norwegen, sondern tauschten sich auch untereinander darüber aus, inwieweit die Erfahrungen und Ideen aus Norwegen auf die Situation der Kirche in Deutschland und Österreich Anwendung finden könnten.


v.l.: Pater Friedrich Bechina ÖCV, Bischof em. Bernt Eidsvig, Bernhard Arming ÖCV, Manfred Speck CV, Rektor Oystein Lund.

Anschließend besuchten die Studierenden das Internationale Studierendentreffen mit Verlosung von Eintrittskarten für die diesjährigen Salzburger Festspiele, während die Alten Herren den Abend bei gutem Essen und frisch Gezapftem in froher Runde im Stern-Bräu ausklingen ließen.

                                                                          Foto: Prof. Dr. Josef Schöchl, Text: Manfred Speck